Historisches zur Kirchengemeinde

Hier finden Sie einige historische Informationen über die kirchlichen Verhältnisse, die Dorfkirche Oberprechtal und die Heimatdichterin und Pfarrfrau Anna Hofheinz-Gysin...
 

Die kirchlichen Verhältnisse

 
Das Meiertum Prechtal umfasst 1178 zwei Pfarrsprengel mit der Kirche in Elzach und in Oberprechtal. Nach der Überlieferung soll die erste Kirche in Oberprechtal beim Hänslehof gestanden haben. Doch schon die Vorgängerin der heutigen katholischen Kirche stand im Dorf. Oberprechtal scheint ursprünglich eine eigene Pfarrei gewesen zu sein. 1360 wird sie als Filiale von Elzach erwähnt, ebenso im Jahr 1508. Das Kirchenpatronat "Maria Krönung" wird in einem Vertrag von 1482 als "unser frowen himel Kirche zu Brechde" bereits nachgewiesen. Das Stift Waldkirch war für die Einsetzung und Unterhaltung eines Pfarrers zu Oberprechtal zuständig. Aus finanziellen Gründen musste jedoch der Kaplan zu Elzach, der die Neunlindenkapelle in Elzach und die Kirche zu Oberbiederbach zu betreuen hatte, auch Oberprechtal mitversehen. Das war für einen geistlichen zuviel, so dass er überall und nirgends recht sein konnte.
 
Das war die Situation, als 1555 die Reformation entsprechend dem Bekenntnis des Landesherren eingeführt wurde. Der Graf von Fürstenberg blieb beim alten Glauben. Der evangelische Markgraf Karl II von Baden - Hachberg brachte 1572 einen evangelischen Pfarrer nach Oberprechtal. Religiöse Verwirrung, Glaubenszweifel und endlose Querelen setzten ein.
 
Schließlich wurden 1577 die Kultgeräte aufgeteilt und die Kirche von beiden Konfessionen benützt. Die erst viel später den Untertanen zugestandene Religionsfreiheit war in Oberprechtal notgedrungen schon immer gegeben.
 
Der evangelische Geistliche war am Ort wohnhaft und ein Pfarrhaus war erbaut worden. Ein katholischer Pfarrer war nicht eingesetzt worden. Seit 1643  unterstützten die Kapuziner von Haslach den Elzacher Kaplan in der Seelsorge und wohnten im Kapuzinerstüble des Hirschen. In einem Vertrag von 1741 wurde den Talbewohnern die seit langem bestehende Religionsfreiheit zugestanden und nach langen Verhandlungen 1742 die katholische Pfarrei mit residierendem Pfarrherrn wiedererrichtet, ein Pfarrhaus für diesen Erbaut und die Pfarrgüter aufgeteilt. 1776 war die Kirche baufällig geworden. Der katholische Gottesdienst fand auf dem Tanzboden des Hirschenspeichers statt. Die neue Kirche wurde 1781 wiederrum als Simultankirche erbaut. (...) 1862 wurden die restlichen kirchlichen Verhältnisse in einem Simultanvertrag abschließend geregelt. Nach über 400 Jahren wurde 1976 ein alter und sehnsüchtiger Wunsch beider Konfessionen erfüllt. Die evangelische Gemeinde weihte ihr eigenes Gotteshaus ein und die Katholiken erhielten gegen eine Abfindung die bisherige Kirche zu Eigentum, die nach der 1979 erfolgten Erweiterung und Renovation zu einem barocken Juwel geworden ist.
 
Die evangelische Pfarrkirche von 1976 ist ein modern gestaltetes Gotteshaus, größtenteils in Holzkonstruktion und besticht durch eine vornehme Schlichtheit, in der alle Aufmerksamkeit auf das bestehende Altarkreuz gelenkt wird.
 
Quelle: Flyer: Zur Geschichte Luftkurort Oberprechtal, Thema Nr. 3/1987
Hrsg.: Stadtverwaltung Elzach
 

Zur evangelischen Dorfkirche Oberprechtal

Im Zusammenhang mit der Sanierung der Katholischen Kirche wurde das über Jahrhunderte bestehende Simultaneum aufgehoben. Die evangelische Kirchengemeinde erbaute daraufhin 1975 hinter dem alten Pfarrhaus und dem Gemeindehaus in zeitgemäßem Stil die kleine, aber schmucke "Christuskirche". Das untergliederte Dach ist in seiner Steilheit den Häusern des Tales angepasst. Der Glockenturm weißt auf den himmelstrebenden Charakter des Gotteshauses und die sinnfällige Bedeutung des Gotteshauses hin. Für die Inneneinrichtung wurden einheimische Hölzer verwendet, die Wärme mit Geborgenheit vermitteln. Ihr wesentlicher Schmuck ist der Altar mit dem darüber hängenden, großen Holzkreuz. Das Kircheninnere entspricht dem äußeren Eindruck, den er vor allem durch seine Einbettung in die landschaftlichen Gegebenheiten hinterlässt.
 
Neben der Kirche ist der Grabstein der Heimatdichterin Anna Hofheinz-Gysin aufgestellt. Erwähnenswert ist die am alten evangelischen Pfarrhaus angebrachte Gedenktafel. Auf ihnen wird den bedeutenden Persönlichkeiten Ludwig Georg Winter, Hermann Robert Dietrich, die hier in Oberprechtal geboren wurden oder wie die Pfarrfrau, lange hier gewirkt haben, gedacht.
 

Quelle: Oberprechtal aktuell

Hrsg: Ortsverwaltung Oberprechtal/2002


Anna Hofheinz-Gysin

Geboren am 18. März 1881 in Hornberg
Gestorben am 14. November 1928 in Prechtal
 
Anna Hofheinz-Gysin wurde zu ihren Lebzeiten als "Hausfrau, Pfarrfrau, Dichterin und Schriftstellerin" bezeichnet. An der Seite ihres gatten, Rudolf Hofheinz, dem Pfarrherrn der evangelischen Pfarrei Prechtal, wirkte sie dort von 1916 an, ehe sie nach langer Krankheit 12 jahre später verstarb. Die Dichtungen von Anna Hofheinz-Gysin zeichnen sich durch klare Gedankengänge, sowie eine gute Beobachtungsgabe aus und haben auch Sinn für hintergründigen Humor. Vor allem sind sie geprägt durch die Liebe zur Schwarzwaldheimat und zur dörflichen Welt mit ihren einfachen, bäuerlichen Menschen. Ihre weihnachtlichen Krippenspiele sind Ausdruck einer tiefen Gläubigkeit. In den zwanziger Jahren hat die Pfarrfrau, die im Tal unvergessen ist, das kulturelle und geistige Leben des Ortes deutlich beeinflusst. Sie war eine der ersten Frauen im alemannischen Raum, die die Mundart als Ausdruck für Prosa und Lyrik benutzte. Der 1997 im Bereich der Kuranlagen von Oberprechtal errichtete Brunnen will an die Heimatdichterin erinnern. Das (...) von ihr abgedruckte Mundartgedicht "E Dörfli im Sege", beschreibt Prechtal als Ort der Arbeitsamkeit, Lebensfreude und Geborgenheit.    
 

Quelle: Oberprechtal aktuell

Hrsg: Ortsverwaltung Oberprechtal/2002